Ursprünglich schön gemacht
Restaurierung und Sanierung Bahnhöfli Kriens im Austausch mit dem Denkmalschutz
Mitten in Kriens, zwischen Stadtplatz und Bellpark, steht ein kleines Gebäude mit grosser Geschichte: das Bahnhöfli. 1886 als Güterschuppen gebaut, 1896 um den heutigen Kopfbau erweitert. Jahrzehntelang stand es fast ungenutzt da, ein stiller Zeitzeuge. Heute ist es saniert, oxidrot gestrichen und wieder mitten im Geschehen: als Gastrobetrieb, der den Stadtplatz belebt.
Für mich als gebürtiger Krienser ist das Bahnhöfli eine echte Herzensangelegenheit. Das Gebäude steht ist im kantonalen Bauinventar als schützenswert eingetragen. 1886 entstand der erste Teil als schlichter Güterschuppen. Und schon bald rollte die Kriens-Luzern-Bahn Güter zur Maschinenfabrik Bell. Zehn Jahre später kam der heutige Kopfbau dazu. August Bell war der Meinung, dass aus dem Ort für Warenumschlag auch ein Ort für Menschen werden sollte. Erstaunlich viel von dem, was einst verbaut wurde, konnten wir erhalten. Die Dachziegel mit Prägedruck von 1886 und 1896 nahmen wir Stück für Stück herunter, reinigten sie von Hand und setzten sie wieder an ihren Platz. Im Innern blieben Böden und Brusttäfer erhalten, dazu die originalen Fenster von 1896 mit ihren Vorfenstern, die man im Sommer aushängen kann. Handwerk aus einer anderen Zeit, das hier nun weiterlebt, statt zu verschwinden. Anderes durfte hingegen verschwinden. Die Verladerampe aus den 1970er-Jahren haben wir rückgebaut. Die Dachform, die in derselben Zeit verändert worden war, bekam wieder ihre ursprüngliche, klare Linie.
Architekt für Denkmalpflege: zurück zum Ursprung
Auch zahlreiche Auflagen von hier bis dort mussten wir erfüllen und berücksichtigen: Brandschutz, Lebensmittelverordnung, Barrierefreiheit, Auflagen vom Amt für Gastgewerbe. Am meisten Kopfzerbrechen bereitete uns jedoch die Farbe. Zuletzt stand das Bahnhöfli in nüchternem Weiss mit bräunlichen Balken da, weit entfernt vom Original. Gemeinsam mit dem Experten der Denkmalpflege, Mathias Steinmann, entschieden wir uns für den Weg zurück: zum Farbkonzept von 1896, zu einem satten Oxidrot. Dutzende Farbabgleiche brauchte es, bis der Ton sass. Und weil ein Bahnhof ohne Schienen nur ein Haus ist, verlegten wir vor dem Gebäude neue Gleise. Das war eine Premiere für mich. Auf diesen Geleisen steht nun, als Dauerleihgabe der Emmentalbahn, ein historischer Flachwagen. Wer heute vor dem Bahnhöfli steht, sieht fast dasselbe Haus wie 1896.








