Klein der Eingriff, gross die Wirkung
Balkonanbau trotz Denkmalschutz – eine Wohnung bekommt, was ihr all die Jahre fehlte
Die Erdgeschosswohnung im Kaplanenhaus der Katholischen Kirche in Malters, liegt genaugenommen im Hochparterre. Sie hat, als einzige Wohnung im ganzen Haus, keinen Aussenplatz. Dabei liegt ihr der Garten quasi zu Füssen. Wer ihn geniessen wollte, musste über die Haupteingangstüre gehen. Das haben wir geändert.
Die Lösung lag auf der Hand: Wir bauen südseitig einen Balkon an, nutzen den Schatten der bestehenden Bäume und den Schutz der dicken Steinmauer. Das hält die Umgebung selbst bei sommerlich hohen Temperaturen frisch. Das die Idee und die war so weit, so gut. Allerdings wollte der Denkmalschutz ein Wörtchen mitreden: Das Kaplanenhaus (Kernbau aus dem 17. Jahrhundert) ist im Bauinventar erhaltenswert eingetragen. Deshalb bereitete meine Idee, ein bestehendes kleines Fenster in eine Terrassentüre zu verwandeln, den Sachverständigen erst etwas Bauchschmerzen. Ich konnte aber nachweisen, dass genau an dieser Stelle ein Anbau jüngeren Datums steht. Und die Bausubstanz hier nicht original war. Dieser Nachweis öffnete das Gespräch. Und wir fanden eine Lösung, die der Bauherrschaft und dem Denkmalschutz gerecht wurde.
Verhandeln statt verhindern: Der Austausch mit dem Denkmalschutz machts möglich
Entstanden ist in drei Monaten Planungs- und Bauzeit ein Balkon mit 9m2 Fläche, der auf schlanken Stahlstützen optisch fast über dem Boden schwebt, eingefasst von einem schlichten, anthrazitfarbenen Geländer. Das Herzstück ist eine Treppe aus Douglasienholz. Sie verbindet die Wohnung mit dem Garten. Das Besondere? Auf der einen Seite sind die Tritte doppelt hoch: viele gute Gelegenheiten, sich einfach mal hinzusetzen. Während die andere Hälfte aus Treppenstufen in herkömmlicher Höhe besteht. Hinunter in den Garten gelangt man auf die eine oder andere Weise. Das Objekt zeigt: Mit wenigen baulichen Eingriffen kann man einen grossen Mehrwert schaffen. Was besonders zählt? Die gute Lösung mit der Denkmalpflege kam nicht durch Beharren zustande, sondern durch das Gespräch und eine Begründung, die nachvollziehbar war.




