So geht altern gut
Altbausanierung in Emmenbrücke – jetzt hälts stand.
In Emmenbrücke steht seit 1922 ein reiner Holzbau. Fein gebaut, mit dünnen Trägern und schlanken Stützen. Als die Bauherrschaft das Haus kaufte erinnerte es sehr an das alte Haus von Rocky Docky, so windschief stand es auf seinem Platz. Fast fünf Jahre dauerten Planung und Ausführung. Heute hat das charmante Haus eine Statik, die trägt und ist ein Zuhause für fünf Mietparteien.
1922 gebaut, die Fassade aus gelb gestrichenen Holzschindeln. Vor jedem Geschoss hängt ein wunderschöner weisser Balkon. Entstanden ist das Haus mit dem sonnigen Gemüt gegen Ende der Heimatstil-Ära. So elegant es von aussen wirkte, so fragil wars im Innern: Die Träger und Stützen waren so dünn, dass es verwunderlich war, dass das Haus über so lange Zeit – mehr oder weniger – aufrecht stand. Ein Holzbauingenieur nannte den Bau ein Streichholzgebäude. Vier Stockwerke hoch, dazu ein Estrich, der Jahrzehnte kaum genutzt wurde. Als Architekt begleitete ich die Bauherren durch den ganzen Planungsprozess, von der ersten Idee bis zur letzten Wohnung.
Diese Altbau-Sanierung wirft vieles über den Haufen
Nur die äussersten zwei Schichten der Fassade blieben stehen und wurden restauriert. Alles dahinter erneuerten wir von unten nach oben, von aussen nach innen: neue Statik, neue Holzböden, neue Balken, neue Stützen. Letztere teilweise in Massivbauweise, die Gewitter, Wind und sogar einem Erdbeben trotzt. Den Estrich betrat vorher kaum mehr jemand freiwillig, heute trägt er mit. Zusätzlich bauten wir ins Erdreich hinein. Dort entstand ein Atelier, das heute gerne genutzt wird. Auf jedem der fünf Geschosse liegt nun eine Dreieinnhalbzimmer-Wohnung mit circa 80m2 Wohnfläche. Jede ist ein dezentes Schmuckstück: wertige Oberflächen, wohin man blickt, Gurttäfer und leicht vergrösserte Balkone, die von aussen aber immer noch aussehen wie die Originale. Für Mauersegler bauten wir eigene Nistkästen ein, drumherum entstand ein biodiverser Garten. So ökologisch wie das Haus gebaut wurde, so sozial war auch der Prozess dahinter: Die Eigentümer vermieteten eine Wohnung nach der anderen und wählten die Mieterschaft mit Fingerspitzengefühl aus. Damit das Haus für alle zu einem Daheim wird und nicht bloss zu einem Ort, an dem man wohnt.
Ganz besonders war für mich: Ich war hier nicht der befehlende Architekt. Wir entwickelten das Projekt im Team, trafen uns auf derselben Wellenlänge, warfen Ideen über den Haufen, um aus diesem guten Ort einen besonderen zu schaffen. Genau das machte diese Zusammenarbeit über fast fünf Jahre so besonders.









